Auf Spurensuche in der Taiga
Sigmund Jähn fesselt rund 100 Gäste in Greiz – Vortrag über das Tunguska-Phänomen
Von Marcel Hilbert Greiz (OTZ).
Obwohl sich das Ereignis bereits vor 102 Jahren ereignete, beflügelt es noch heute die Fantasie von Autoren und beschäftigt Wissenschaftler auf der ganzen Welt. Rätsel und Mythen ranken sich um die Explosion, die am 30. Juni 1908 das Gebiet um den Fluss Steinige Tunguska in Sibirien erschütterte und dabei doch keinen Krater hinterließ. Mit dem als „Tunguska-Phänomen” bezeichneten Ereignis beschäftigte sich auch Raumfahrt-Legende Dr. Sigmund Jähn. In einer Veranstaltung des Kultur- und Bildungsvereines Greiz präsentierte er gestern Abend im BonhoefferHaus in Greiz die wichtigsten Theorien zur Erklärung des Phänomens. Etwa 100 Besucher bekamen in dem mit vielen Bildern aus Sibirien unterlegten Vortrag zwar keine Antworten, dafür aber jede Menge Sigmund Jähn. Dieser relativierte gleich zu Beginn: „Ich bin weder Spezialist, noch kann ich mit Sicherheit eine der Theorien bestätigen oder ausschließen.” Dennoch, gerade die sympathische und sehr humorvolle Erzählweise des ersten Deutschen im Weltall fesselte die Gäste. Jähn selbst hatte mehrere Expeditionen in die sibirische Taiga unternommen, teils mit ernstzunehmenden Wissenschaftlern, teils mit Menschen, die sich nur dafür ausgaben. Mit seinen Fotos vermittelte er einen guten Eindruck über die unberührte Natur, die meist aus riesigen Wäldern und weiten Moorlandschaften besteht. Eine dieser Expeditionen führte Jähn zum vermeintlichen Epizentrum der Explosion, an dem verbrannte Bäume und Mutationen noch von dem Ereignis zeugen sollen. „Ja, es gibt mutierte Flora und Fauna, und ja, die Bäume sind verkohlt. Aber um die Ursache in dem Tunguska-Ereignis zu sehen, bräuchte man Vergleichswerte aus der Zeit davor. Und die gibt es nicht”, so Jähn Und diese Aussage führte ihn auch schon zur Krux jeder Theorie über die Geschehnisse vom 30. Juni 1908: „Die Wissenschaftler dort
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Immer, wenn man eine Theorie für sich wählt, gibt es 100 gute Gründe dagegen.
Sigmund Jähn, Ex-Kosmonaut
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stellen Theorien ausgehend von diesen Beobachtungen und mehr als fragwürdigen Zeugenaussagen von damals auf. Und solange diese Theorie nicht widerlegt werden kann, gilt sie als möglich.” Besagte Zeugen, die erst gut 20 Jahre nach dem Ereignis befragt wurden, berichteten von einem Leuchten, lauten Geräuschen und Stein-Niederschlägen, widersprachen sich dabei jedoch teilweise selbst. Zu den wahrscheinlichste Erklärungsansätzen zählt die von einem Meteoriten oder Kometen, der kurz vor Kontakt mit der Erdoberfläche durch atmosphärische Bedingungen explodierte und so das beobachtete Leuchten verursachte. Doch auch plattentektonische Gründe seien möglich und könnten nicht ausgeschlossen werden, meinte Jähn „Die Theorie über die Raumschifflandung allerdings erspare ich Ihnen”, meinte der ehemalige Kosmonaut und erntete, wie so oft an diesem Abend, viele Lacher. Zum Ende seiner Ausführungen, die für ihn und für die Zuhörer ergebnisoffen blieben, äußerte er die Hoffnung, dass dies auch noch lange so bleibt: „Es wäre schön, wenn das Tunguska-Phänomen auch weiterhin ein solches bleibt, damit es auch in Zukunft noch für spannende Diskussionen sorgt.” In der anschließenden Fragerunde spielte der Vortrag Jähns, der von den beiden Gitarristen Ronny Kerl und Ralf Dietsch musikalisch umrahmt wurde, nur noch eine untergeordnete Rolle. Vielmehr waren die Person Sigmund Jähn und dessen Erlebnisse im All von Interesse. Zuletzt kam Jähn dann doch noch einmal auf die Raumschiff-Theorie zu sprechen, allerdings in seiner ganz eigenen, augenzwinkernden Art und Weise: „Hat man Außerirdische, braucht man nicht mehr die langweilige Physik bemühen.”






